25.507 Punkte. Das ist das neue intraday Allzeithoch des DAX, erreicht diese Woche 1. Am 7. Januar 2026 uberschritt der deutsche Leitindex erstmals die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten — weniger als eine Woche spater folgte das neue Rekordhoch 2. Im Vergleich zum Jahresende 2025 (24.490 Punkte) bedeutet das einen zusatzlichen Anstieg innerhalb weniger Wochen, nach einem Gesamtjahresgewinn von 23 Prozent in 2025 3.
Die Ironie ist nicht zu ubersehen: Wahrend Okonomen fur Deutschland 2026 nur minimales Wirtschaftswachstum prognostizieren, erreicht der Frankfurter Leitindex Rekorde. Die Industrieproduktion stagniert, der Mittelstand klagt uber Fachkraftemangel und Energiekosten, und doch eilt der DAX von Hoch zu Hoch. Die Frage ist, ob das noch rational ist — oder ob wir auf einem Vulkan tanzen.
Grund 1: Der Global-Player-Effekt

Der wichtigste Faktor wird oft ubersehen: Der DAX ist kein Spiegelbild der deutschen Binnenwirtschaft. Die 40 grossten deutschen Konzerne erwirtschaften den Grossteil ihrer Gewinne nicht in Deutschland, sondern in den USA, China und Sudostasien. Siemens, SAP, Mercedes-Benz, Rheinmetall und Allianz erzielen uber 70 Prozent ihrer Umsatze ausserhalb Deutschlands.
Solange die US-Wirtschaft wachst, fullen sich die Auftragsbucher der deutschen Blue Chips. Ein schwacher Euro hilft zusatzlich, weil er deutsche Exporte im Ausland gunstiger macht und auslandische Gewinne beim Ruckrechnen in Euro aufblaht. Die Kombination aus starker US-Nachfrage, schwachem Euro und globaler Diversifizierung erklart den grossten Teil der DAX-Divergenz zur deutschen Realwirtschaft.
Grund 2: Rheinmetall und die Verteidigungs-Story

Der starkste einzelne Treiber der Rally 2025 war Rheinmetall. Die Aktie des Dusseldorfer Ruestungskonzerns profitiert vom NATO-2-Prozent-Ziel, der europaischen Verteidigungsaufrustung und den deutschen Sondervermogen fur die Bundeswehr. Parallel erlebt Siemens Energy eine Renaissance: Infrastruktur-Investments in den USA (Inflation Reduction Act), der Ausbau von Stromnetzen fur KI-Rechenzentren und der Bedarf an Turbinen fur Gaskraftwerke treiben den Auftragseingang 2.
SAP bleibt der stille Champion: Die Migration in die Cloud-basierte S/4HANA-Plattform und die Integration generativer KI-Funktionen schaffen wiederkehrende Umsatze mit hohen Margen. Das KGV von SAP liegt deutlich uber dem DAX-Durchschnitt — ein Bewertungsaufschlag, den der Markt angesichts der strukturellen Umsatzqualitat akzeptiert.
Die Kehrseite: Die Rally ist konzentriert. Ohne Rheinmetall, Siemens Energy und SAP ware der DAX-Anstieg deutlich moderater. Das ist kein Breitenphanomen, sondern ein Sektoren-Rally — Ruestung, Infrastruktur und Software.
Grund 3: Die Zins-Fantasie (teilweise eingepreist)

Die Markte haben 2025 eine massive Zins-Fantasie eingepreist: acht EZB-Senkungen von 4,00 auf 2,00 Prozent haben die Bewertungslogik verbessert. Niedrigere Zinsen machen Aktien im Vergleich zu Anleihen attraktiver und verbilligen Investitionen fur Unternehmen.
Doch die Zins-Fantasie wird 2026 gedampft: Die EZB durfte bei der nachsten Sitzung im Januar eine Pause signalisieren. Weitere Senkungen sind fruhestens fur das zweite Halbjahr wahrscheinlich. Fur den DAX bedeutet das: Ein Teil der eingepreisten Zins-Fantasie muss abgebaut werden — aber nicht dramatisch, weil 2,00 Prozent historisch gesehen kein restriktives Niveau ist.
Bewertung: Ist der DAX teuer?
Das Forward-KGV des DAX liegt aktuell bei rund 14x — das ist uber dem historischen Zehnjahresdurchschnitt von 12x, aber deutlich unter dem S&P 500 bei rund 21x. Der DAX bleibt also relativ zum US-Markt gunstig bewertet. Das Kurs-Buchwert-Verhaltnis liegt bei 1,7 — ebenfalls unter dem langjahrigen Durchschnitt fur Industrie-lastige Indizes.
Die Dividendenrendite des DAX bei rund 2,8 Prozent ist attraktiv, aber nicht spektakular. Im Vergleich zu 10-jahrigen Bundesanleihen (Rendite bei rund 2,5 Prozent) bietet der DAX einen Risikoaufschlag von 30 Basispunkten — historisch gering.
Fur Anleger gilt: Der DAX ist nicht billig, aber auch nicht in einer Blase. Die Bewertung reflektiert optimistische Annahmen uber die globale Konjunktur, aber nicht Euphorie. Charttechnisch hat der Index den Widerstand bei 25.000 Punkten durchbrochen — die 200-Tage-Linie liegt rund 10 Prozent tiefer und bietet solide Unterstutzung.
Daten & Evidenz
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| DAX Allzeithoch (Jan 2026) | 25.507,79 Punkte | Borsen AG / Borsen-Zeitung, Jan 2026 |
| DAX Jahresende 2025 | 24.490 Punkte | Finanzen.net, Dez 2025 |
| DAX Performance 2025 | +23% | Finanzen.net, 2025 |
| DAX 25.000-Punkte-Marke erstmals | 7. Januar 2026 | Investor Verlag, Jan 2026 |
| DAX Forward-KGV | ~14x | Bloomberg, Jan 2026 |
| S&P 500 Forward-KGV (Vergleich) | ~21x | Bloomberg, Jan 2026 |
| DAX Dividendenrendite | ~2,8% | Finanzen.net, Jan 2026 |
| EZB-Einlagenzins | 2,00% | EZB |
| Deutschland BIP-Wachstum 2026 (Prognose) | ~0,3% | Bundesbank |
Haufig gestellte Fragen
Warum steigt der DAX trotz schwacher deutscher Wirtschaft?
Der DAX ist kein Spiegelbild der deutschen Binnenwirtschaft. Die 40 grossten deutschen Konzerne erzielen uber 70 Prozent ihrer Umsatze im Ausland — vor allem in den USA und Asien. Solange die globalen Markte wachsen, profitieren die DAX-Konzerne, unabhangig von der deutschen Konjunktur.
Welche Aktien treiben die Rally?
Die starksten Treiber 2025/26 waren Rheinmetall (Verteidigung), Siemens Energy (Infrastruktur und KI-Rechenzentren) und SAP (Cloud und KI). Ohne diese drei Titel ware die DAX-Rally deutlich moderater verlaufen — es ist kein Breitenphanomen.
Ist der DAX aktuell zu teuer?
Das Forward-KGV von rund 14x liegt uber dem historischen Durchschnitt, aber deutlich unter dem S&P 500 bei 21x. Der DAX ist nicht billig, aber relativ zum US-Markt noch attraktiv bewertet. Eine kurzfristige Korrektur wurde die Bewertung weiter entlasten.
Kernaussagen
- DAX uber 25.000 Punkte: Rekordhoch bei 25.507 Punkten, +23 Prozent in 2025 — deutlich vor der deutschen Realwirtschaft.
- Global-Player-Effekt: Die 40 grossten deutschen Konzerne erzielen uber 70 Prozent ihrer Umsatze ausserhalb Deutschlands — die US-Konjunktur ist wichtiger als die deutsche.
- Sektor-Rally, keine Breite: Rheinmetall, Siemens Energy und SAP tragen den Grossteil der Performance.
- Bewertung bei Forward-KGV 14x: Uber dem Durchschnitt, aber deutlich unter dem S&P 500 (21x) — der DAX bleibt relativ zum US-Markt gunstig.
Quellen
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Borsen AG, „Der DAX im Januar 2026″, Januar 2026. https://www.boersenag.de/aktuelles/neuigkeiten-quotrix/der-dax-im-januar-2026/ ↩
-
Investor Verlag, „DAX: 25.000 Punkte? Starker Start in 2026″, Januar 2026. https://www.investor-verlag.de/aktien-und-aktienhandel/deutschland/dax/dax-25-000-punkte-starker-start-in-2026/ ↩↩
-
Finanzen.net, „DAX historische Hoch- und Tiefstande — Jahresperformance”, 2025/2026. https://www.finanzen.net/index/dax/hochtief ↩
-
Borsen-Zeitung, „Dax klettert auf Rekordhoch”, Januar 2026. https://www.boersen-zeitung.de/kapitalmaerkte/dax-klettert-auf-rekordhoch-3 ↩




