Inflation in Deutschland: Stabilisierung nahe dem 2-Prozent-Ziel — aber die Kerninflation bleibt hartnackig

Inflation in Deutschland bei 2,1% im Januar — nahe dem 2-Prozent-Ziel der EZB. Aber die Kerninflation bleibt hartnackig bei 2,5 Prozent.
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Auf einen Blick
  • Einlagenzins: 2,00% (unverandert)
  • Inflation Eurozone: 1,7% (Januar 2026)
  • Senkungen seit 2024: 8 (von 4,00% auf 2,00%)
  • Nachste Sitzung: 6. Marz 2026
  • TTF-Gaspreis: 37 EUR/MWh

2,1 Prozent. Das ist die deutsche Inflationsrate fur Januar 2026 — der niedrigste Wert seit Monaten und nur noch 0,1 Prozentpunkte uber dem 2-Prozent-Ziel der Europaischen Zentralbank 1. Im Dezember 2025 lag die Rate bei 1,8 Prozent, im November bei 2,1 Prozent. Die Inflationskurve hat sich stabilisiert — aber nicht auf der Trendlinie, die Optimisten erhofft hatten.

Das eigentliche Problem steckt in der Kerninflation: die Rate ohne Energie und Nahrungsmittel liegt bei 2,5 Prozent — deutlich uber der Gesamtinflation und ohne Anzeichen einer weiteren Entspannung 1. Fur die EZB bedeutet das: Der Sieg uber die Inflation ist noch nicht vollstandig. Die Dienstleistungsinflation, getrieben von Lohnsteigerungen, bleibt der zahe Widerstandspunkt.

Die Zahlen im Detail

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Destatis veroffentlichte am 12. Februar die endgultigen Januar-Daten 1:

  • Gesamtinflation: +2,1% (YoY)
  • Kerninflation (ohne Energie und Nahrungsmittel): +2,5%
  • Inflation ohne Energie: +2,5%
  • Energiepreise: -1,7% (Ruckgang gegenuber Vorjahr)
  • Nahrungsmittel: +2,7% (leichte Beschleunigung)

Die Energiepreise sinken — dank moderater Gaspreise und stabiler Rohol-Notierungen — und tragen damit zur Entlastung der Gesamtinflation bei. Die Nahrungsmittelpreise ziehen wieder leicht an, aber auf niedrigem Niveau. Das Zentrum des Inflationsproblems liegt bei Dienstleistungen: Restaurants, Handwerker, Versicherungen, Mieten — alle getrieben von Lohnkostensteigerungen.

Warum die Kerninflation hartnackig bleibt

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Drei Faktoren halten die Kerninflation uber dem Zielwert:

Erstens: Lohnkosten. Die Tarifabschlusse 2024 und 2025 waren deutlich hoher als in den 2010er Jahren — im Durchschnitt 4 bis 6 Prozent. Diese Lohnsteigerungen schlagen mit Verzoegerung auf die Dienstleistungspreise durch, weil Restaurants, Friseure und Handwerker ihre Preise an die gestiegenen Personalkosten anpassen.

Zweitens: Arbeitskraftemangel. Der strukturelle Fachkraftemangel in Deutschland treibt die Lohne selbst in einer schwachen Konjunktur — ein Phaenomen, das die klassische Phillips-Kurve (niedrige Arbeitslosigkeit = hohe Inflation) ausserkraftsetzt. Die Arbeitslosigkeit liegt bei rund 6 Prozent, aber der Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskraefte ist intensiv.

Drittens: Mieten und Wohnkosten. Die Angebotsknappheit am Wohnungsmarkt sorgt fur anhaltend steigende Mieten, besonders in den A-Stadten. Die Wohnkosten machen einen erheblichen Teil des Warenkorbs aus und halten die Dienstleistungsinflation hoch.

Was das fur die EZB bedeutet

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Die EZB hat bei 2,00 Prozent Einlagenzins eine Pause eingelegt — und die deutschen Inflationsdaten untermauern diese Haltung. Die Gesamtinflation in der Eurozone lag im Januar bei 1,7 Prozent, unter dem EZB-Ziel. Aber die Kerninflation in Deutschland (dem groesten Wirtschaftsraum der Eurozone) bei 2,5 Prozent zeigt, dass das Problem noch nicht geloest ist.

Fur Anleger bedeutet das: Keine weiteren Zinssenkungen vor dem dritten Quartal 2026 — es sei denn, die Kerninflation zeigt eine deutliche Entspannung. Die nachste kritische Datenveroffentlichung ist die Februar-Inflation am 12. Marz 2026 — und die Maerz-Lohnrunde in den Tarifverhandlungen mehrerer grosser Branchen.

Fur Kreditnehmer und Haeuslebauer: Baufinanzierungen bleiben auf dem aktuellen Niveau von rund 3,5 bis 4 Prozent fur 10-Jahres-Laufzeiten. Eine signifikante Entlastung durch weitere EZB-Senkungen ist kurzfristig nicht in Sicht.

Daten & Evidenz

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Kennzahl Wert Quelle
Deutschland Gesamtinflation Januar 2026 +2,1% (YoY) Destatis, Feb 2026
Deutschland Kerninflation Januar 2026 +2,5% Destatis, Feb 2026
Eurozone Gesamtinflation Januar 2026 +1,7% Eurostat, Feb 2026
Energiepreise Jan 2026 -1,7% YoY Destatis
Nahrungsmittel Jan 2026 +2,7% YoY Destatis
EZB-Einlagenzins 2,00% EZB
Durchschnittliche Lohnsteigerungen 2024/25 ~4-6% Tarifarchiv WSI

Haufig gestellte Fragen

Warum liegt die deutsche Inflation uber der Eurozone?
Deutschlands hohere Inflation reflektiert vor allem die hartnackige Kerninflation bei Dienstleistungen — getrieben von Lohnsteigerungen und einem strukturellen Arbeitskraftemangel. Frankreich und Italien haben niedrigere Kerninflationsraten, aber hoehere Energiepreisbelastungen.

Wird die EZB weiter senken?
Wahrscheinlich nicht vor dem dritten Quartal 2026. Lagarde hat klargemacht, dass die Kerninflation nachhaltig unter 2 Prozent sinken muss, bevor weitere Senkungen kommen. Das ist bei der aktuellen Lohnentwicklung nicht kurzfristig wahrscheinlich.

Was bedeutet das fur Sparer und Anleger?
Sparer: Tagesgeld- und Festgeldzinsen bleiben bei rund 2 Prozent — real nach Inflation praktisch null. Anleger: Aktien bleiben attraktiver als Anleihen, solange die realen Renditen bei Bundesanleihen nahe null liegen.

Kernaussagen

  • Deutschland Gesamtinflation bei 2,1% im Januar 2026 — nahe dem EZB-Ziel, aber nicht darunter.
  • Kerninflation bei hartnackigen 2,5% — getrieben von Lohnkostensteigerungen und Dienstleistungspreisen.
  • Energiepreise sinken (-1,7% YoY), Nahrungsmittel ziehen leicht an (+2,7%).
  • EZB pausiert bei 2,00% Einlagenzins — keine weiteren Senkungen vor Q3 2026 wahrscheinlich.

Quellen


  1. Destatis, „Inflation rate at +2,1% in January 2026″, Februar 2026. https://www.destatis.de/EN/Press/2026/02/PE26_051_611.html 

  2. Destatis, „Inflation rate of +1,8% expected in December 2025″, Januar 2026. https://www.destatis.de/EN/Press/2026/01/PE26_002_611.html 

  3. Eurostat, „Euro area annual inflation — January 2026″, Februar 2026. https://ec.europa.eu/eurostat/web/products-euro-indicators/w/2-04022026-ap 

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