BASF Zhanjiang-Verbund eroeffnet: 8,7 Mrd. Euro nach China — Ludwigshafen schrumpft

BASF investiert 8,7 Mrd. Euro in Zhanjiang — groesstes Projekt der Unternehmensgeschichte. Parallel werden 4.800 Stellen in Ludwigshafen gestrichen.
BASF Verbundstandort Zhanjiang China BASF Standortverlagerung
Auf einen Blick
  • Einlagenzins: 2,00% (unverandert)
  • Inflation Eurozone: 1,7% (Januar 2026)
  • Senkungen seit 2024: 8 (von 4,00% auf 2,00%)
  • Nachste Sitzung: 6. Marz 2026
  • TTF-Gaspreis: 37 EUR/MWh

8,7 Milliarden Euro. Das ist das Investitionsvolumen fuer den neuen BASF-Verbundstandort Zhanjiang in Sued-China — das groesste Einzelprojekt in der 160-jaehrigen Unternehmensgeschichte 1. Zum Vergleich: BASFs gesamte Investitionen in Ludwigshafen in den letzten zehn Jahren zusammen liegen bei rund 5 Milliarden Euro. Die Botschaft ist unmissverstaendlich: Die Zukunft der BASF liegt nicht in Deutschland — sie liegt in Asien.

Parallel zur Zhanjiang-Eroeffnung hat BASF in Ludwigshafen bereits 4.800 Stellen abgebaut. Das Sparprogramm zielt auf jaehrliche Kosteneinsparungen von 2,1 Milliarden Euro bis 2026 2. Bis Ende 2024 waren bereits rund eine Milliarde Euro eingespart. Die beiden Vorgaenge sind nicht unabhangig — sie sind die zwei Seiten derselben strategischen Entscheidung: Kapital geht dorthin, wo es produktivste Rendite erzielt. Und das ist seit einem Jahrzehnt nicht mehr Deutschland.

Die Zahlen: Zhanjiang wird drittgroesster Verbundstandort

BASF Verbundstandort Zhanjiang China BASF Standortverlagerung

Zhanjiang wird nach Ludwigshafen und Antwerpen der drittgroesste Verbundstandort des BASF-Konzerns 1. Der Standort ist strategisch gewaehlt: an der Suedkueste Chinas, nahe den wichtigsten Wachstumsregionen Asiens, mit direktem Zugang zu Rohstoffen aus Australien und dem Nahen Osten, und in einem Land, das rund 50 Prozent des globalen Chemieumsatzes generiert.

Die Dimensionen sind beeindruckend: Der Verbundstandort umfasst Anlagen zur Herstellung von Basischemikalien, Polyolefinen, Spezialchemikalien und Funktionsmaterialien. BASF betreibt in Zhanjiang einen vollstandigen “Verbund” — das fuer BASF charakteristische integrierte Produktionssystem, in dem Nebenprodukte einer Anlage als Rohstoffe fuer andere Anlagen dienen. Das ist keine einfache Fabrik, sondern ein komplexes Oekosystem.

Im Jahr 2025 entfielen rund 14 Prozent des weltweiten BASF-Umsatzes auf China — ein Land, das fuer rund 50 Prozent des globalen Chemiemarktes steht 3. Diese Diskrepanz erklaert, warum BASF massiv in China investiert: Das Unternehmen holt strukturelle Unterrepraesentation auf.

Ludwigshafen: 4.800 Stellen weniger und historisch schlechte Auslastung

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Waehrend Zhanjiang hochgefahren wird, schrumpft Ludwigshafen. BASF hat am Stammstandort bereits 4.800 Stellen gestrichen — einige durch natuerliche Fluktuation, andere durch Abfindungsprogramme und vorzeitigen Ruhestand 4. Das Sparprogramm, das Vorstandschef Markus Kamieth im Februar 2024 angekuendigt hat, zielt auf Kosteneinsparungen von 2,1 Milliarden Euro jaehrlich bis 2026.

Die Auslastung der Ludwigshafen-Anlagen ist historisch schlecht. Einige Produktionslinien fuer energieintensive Basischemikalien (Ammoniak, Acetylene, Caprolactam) werden dauerhaft stillgelegt oder in “Cold Idle” versetzt. Die Begruendung ist okonomisch: Die Gas- und Strompreise in Deutschland liegen zwei- bis dreimal hoeher als in den USA oder in China. Bei Grundstoffchemie ist das der Unterschied zwischen profitabler Produktion und strukturellem Verlust.

Vorstandschef Kamieth hat es in einem Interview so formuliert: Ein Rueckzug aus China waere ein “viel groeseres Risiko” als die Fortsetzung der China-Expansion. Das ist bemerkenswert fuer einen deutschen Konzern, der einst als Inbegriff des “Made in Germany” galt 5.

Die strukturellen Ursachen: Energie, Regulierung, Marktnaehe

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Die BASF-Entscheidung ist nicht idiosynkratisch — sie ist Teil eines breiteren Musters der deutschen Chemieindustrie. Drei Faktoren treiben die Verlagerung:

Erstens: Energiekosten. Deutsche Chemiekonzerne zahlen 2025 rund 35-45 Euro/MWh fuer Industriestrom, gegenueber 15-20 EUR/MWh in den USA und etwa 20-25 EUR/MWh in China. Bei Grundstoffchemie machen Energiekosten 30-50 Prozent der Gesamtkosten aus — die Margendifferenz ist existenziell.

Zweitens: Regulierung. Die EU-Chemikalienverordnung REACH, die CO2-Preise, die Lieferkettensorgfaltspflicht und die Taxonomie-Berichtspflichten belasten europaische Chemieproduzenten mit Compliance-Kosten, die asiatische Wettbewerber nicht haben. Die Zuendung dieser Kostendiskrepanz dauert 3-5 Jahre, aber sie ist jetzt sichtbar.

Dritter: Marktnaehe. China und Indien wachsen schneller als Europa. Wenn die kuenftigen Endkunden in Asien sitzen, ist es wirtschaftlich logisch, dort zu produzieren — besonders fuer Basischemikalien, die hohe Transportkosten haben und lokale Versorgung bevorzugen.

Was das fuer Anleger bedeutet

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BASF handelt zu einem Forward-KGV von rund 13x — historisch niedrig, aber nicht billig genug, um strukturelle Sorgen zu ueberkompensieren. Die Dividendenrendite liegt bei rund 5,5 Prozent — attraktiv, aber mit dem Risiko, dass die Dividende bei weiteren Margendruck gekuerzt werden koennte.

Die strategische These ist geteilt: Die Bullen sehen BASF als globalen Chemiekonzern, der sich erfolgreich in Wachstumsmaerkte repositioniert. Die Baeren sehen einen traditionellen Industriekonzern, dessen Heimatstandort unrettbar ist und dessen Asien-Expansion gegen chinesische Staatschemiekonzerne (Sinopec, CNPC Chemical) strukturell verlieren wird.

Fuer Anleger, die auf die deutsche Industriekrise wetten wollen, ist BASF einer der wenigen Titel, in denen die Transformation noch nicht abgeschlossen ist — und damit sowohl Chance als auch Risiko bietet.

Daten & Evidenz

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Kennzahl Wert Quelle
BASF Zhanjiang Investitionsvolumen 8,7 Mrd. EUR Kettner Edelmetalle, 2026
Zhanjiang Rang im BASF-Verbund 3 (nach Ludwigshafen, Antwerpen) BASF / NZZ
BASF China-Umsatzanteil 2025 ~14% BASF Annual Report
Chinas Anteil am globalen Chemieumsatz ~50% BASF / Statista
BASF Stellenabbau Ludwigshafen 4.800 Finanzmarktwelt, 2025
BASF Sparprogramm Ziel bis 2026 2,1 Mrd. EUR p.a. Handelsblatt
BASF Forward-KGV ~13x Bloomberg, Jan 2026
BASF Dividendenrendite ~5,5% BASF IR

Haufig gestellte Fragen

Warum investiert BASF so viel in China?
Drei Gruende: Erstens sind die Energiekosten in China 2-3x niedriger als in Deutschland. Zweitens wachsen China und Asien schneller als Europa, und BASF will in Marktnaehe produzieren. Drittens ist BASFs China-Umsatzanteil (14%) deutlich niedriger als Chinas Anteil am globalen Chemiemarkt (50%) — das Unternehmen holt strukturelle Unterrepraesentation auf.

Was bedeutet das fuer Ludwigshafen?
Der Standort verliert. 4.800 Stellen sind bereits gestrichen, weitere Kuerzungen sind wahrscheinlich. Einige energieintensive Anlagen werden dauerhaft stillgelegt. Ludwigshafen bleibt Hauptsitz und groesster Verbundstandort, aber das Wachstum findet anderswo statt.

Ist BASF ein guter Investment?
Die Bewertung (KGV 13x, Dividende 5,5%) ist attraktiv, aber die strukturellen Probleme sind real. Die Transformation nach Asien ist strategisch notwendig, aber riskant — BASF konkurriert dort mit staatlich subventionierten chinesischen Chemiekonzernen. Das ist keine traditionelle Value-Situation, sondern eine Contrarian-Wette auf die BASF-Transformation.

Kernaussagen

  • BASF investiert 8,7 Mrd. Euro in den Zhanjiang-Verbundstandort — das groesste Einzelprojekt der Unternehmensgeschichte.
  • Parallel schrumpft Ludwigshafen: 4.800 Stellen gestrichen, Sparprogramm von 2,1 Mrd. Euro jaehrlich bis 2026.
  • Zhanjiang wird der drittgroesste Verbundstandort — nach Ludwigshafen und Antwerpen.
  • Strukturelle Treiber: Energiekosten, Regulierung und Marktnaehe — die deutsche Chemieindustrie verlaesst den Heimatstandort.

Quellen


  1. BASF SE, „BASF announces construction of new Verbund site in Zhanjiang, China — Annual Report 2024″, 2025. https://www.basf.com/global/en/investors/financial-publications/annual-reports.html 

  2. Ludwigshafen24, „BASF kaempft mit Herausforderungen — Standort Ludwigshafen im Fokus des Sparprogramms”, 2025. https://www.ludwigshafen24.de/ludwigshafen/basf-sparprogramm-stellenabbau-herausforderungen-geschaeftszahlen-2024-ausblick-2025-chemie-93599853.html 

  3. BASF, „Unser Engagement in China”, 2025. https://www.basf.com/global/de/who-we-are/organization/locations/asia-pacific/our-engagement-in-china 

  4. Finanzmarktwelt, „BASF: Die Abrechnung mit dem Standort Europa”, 2025. https://finanzmarktwelt.de/basf-die-abrechnung-mit-dem-standort-europa-262318/ 

  5. ZDF heute, „China-Rueckzug waere ‘viel groesseres Risiko’: Wie BASF sein Milliardenwerk in Zhanjiang verteidigt”, 2025. https://www.zdfheute.de/wirtschaft/unternehmen/china-basf-chemie-werk-zhanjiang-100.html 

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