Energiewende & Rohstoffe 2026: Die vollständige Marktanalyse

Kupfer, Lithium und Uran sind die Engpassrohstoffe der Energiewende 2026. Marktanalyse: globale Versorgungslage, China-Risiken und Investmentchancen.
Sigrid Haug
·
07. April 2026
·
8 Min. Lesezeit

Die Energiewende ist das größte industrielle Projekt unserer Zeit — und sie scheitert nicht an politischem Willen, sondern an Rohstoffen. Kupfer, Lithium, Uran und Seltene Erden sind die physischen Grundlagen der grünen Transformation, und sie sind knapper, teurer und geopolitisch umkämpfter denn je.

Jedes Windrad, jede Solarzelle, jeder Elektroantrieb und jede Batterie besteht aus Materialien, die endlich, geographisch konzentriert und zunehmend als strategische Waffe eingesetzt werden. Wer die Energiewende Rohstoffe 2026 verstehen will, muss die globalen Versorgungsketten verstehen — denn hier entscheidet sich das Tempo der grünen Transformation. Dieser umfassende Überblick analysiert die zehn wichtigsten Entwicklungen an der Schnittstelle von Energie und Rohstoffen für das Jahr 2026: Von der Kupferknappheit durch den KI-Boom über das Uran-Comeback bis zu Chinas Exportkontrollen und dem aufkeimenden Rohstoff-Superzyklus. Für Anleger, Industriemanager und politische Entscheider.

Die physische Realität der Energiewende: Rohstoffe als Engpassfaktor

Die Auftragsbücher der Windkraftgiganten sind voll, doch die Margen schmelzen. Siemens Energy, Vestas und Ørsted kämpfen mit einem Paradoxon, das die gesamte Branche durchzieht: Je ambitionierter die Ausbauziele, desto teurer werden die notwendigen Rohstoffe. Ein einziges Offshore-Windrad verschlingt Hunderte Tonnen Stahl für Turm und Fundament, Kilometer an Kupferkabel für die Verkabelung und kiloweise Neodym und Dysprosium für die Permanentmagnete.

Seit 2023 sind die Stahlpreise um rund 40 Prozent gestiegen, Kupfer hat historische Höchststände erreicht, und Seltene Erden unterliegen zunehmend chinesischen Exportkontrollen. Das Ergebnis ist ein Phänomen, das Ökonomen als „Greenflation” bezeichnen: Die Energiewende treibt die Preise für genau jene Rohstoffe, die sie benötigt, in die Höhe. Projekte, die vor drei Jahren kalkuliert wurden, sind heute unrentabel. Laut einer aktuellen Studie ist die Versorgungslage bei 28 von 45 für die grüne Transformation kritischen Rohstoffen als problematisch einzustufen — die Knappheit bedroht nicht nur die Windkraft- und Solarbranche, sondern auch die Automobilindustrie und die Halbleiterhersteller.

Die kritischen Engpässe bilden drei separate, aber zusammenhängende Schichten. Erstens die strukturelle Unterversorgung bei Industriemetallen — allen voran Kupfer und Nickel, deren Abbau jahrelang unterfinanziert war. Zweitens die Batterierohstoff-Problematik: Lithium, Kobalt und Mangan sind die Engpassmaterialien der Elektromobilität und stationären Energiespeicher. Drittens die Seltene-Erden-Abhängigkeit, die besonders die Magnet- und Halbleitertechnologie trifft und nahezu vollständig in chinesischer Hand liegt. Alle drei Schichten treffen gleichzeitig auf eine Nachfrage, die durch Energiewende, KI-Revolution und Deglobalisierung in bisher ungekanntem Ausmaß wächst.

Für Anleger verschiebt sich damit die Wertschöpfungskette: Die Gewinne fließen nicht mehr zu den Turbinenherstellern und Anlagebauern — die unter steigenden Materialkosten leiden —, sondern zu den Bergbauunternehmen, die das knappe Material liefern. Diese Verschiebung ist keine kurzfristige Marktanomalie; sie ist das Ergebnis einer strukturellen Fehlallokation von Kapital über mehr als ein Jahrzehnt, die nun zu einer schwer umkehrbaren Angebotslücke geführt hat. Neue Minen brauchen acht bis zwölf Jahre Vorlauf — eine Zeitspanne, die keine politische Planung kompensieren kann.

→ Vertiefte Analyse: Energiewende: Windkraftanlagen werden teurer — Ursachen und Ausblick

Kupfer, Uran und Lithium: Die Schlüsselrohstoffe 2026 im Marktcheck

Die drei wichtigsten Rohstoffe der Energiewende befinden sich 2026 in einem entscheidenden Übergangsstadium — jeder aus einer anderen Ausgangslage, aber alle mit einer gemeinsamen Richtung: strukturelles Angebotsdefizit trifft auf wachsende Nachfrage.

Kupfer: Neue Preisuntergrenze durch Doppelnachfrage

Goldman Sachs hat seine Kupferpreis-Prognose für das erste Halbjahr 2026 auf 12.750 US-Dollar pro Tonne angehoben — begründet mit knappen Lagerbeständen außerhalb der USA und einem strukturellen Nachfragewachstum aus Energieinfrastruktur, KI und Verteidigung. JP Morgan erwartet für das Gesamtjahr 2026 sogar einen Durchschnittspreis von 12.075 US-Dollar, getrieben von einem globalen Defizit bei raffiniertem Kupfer von rund 330.000 Tonnen. Der Kupferpreis an der Londoner Metallbörse (LME) hat 2025 bereits um rund 36 Prozent zugelegt. Goldman Sachs schätzt, dass der KI-bedingte Kupferbedarf allein bis 2030 um 900.000 Tonnen jährlich steigen wird — ein Viertel der gesamten aktuellen Minenproduktion. BloombergNEF warnt, dass das jährliche Kupferdefizit ohne massive Investitionen in neue Förderprojekte bis 2050 auf 19 Millionen Tonnen anwachsen könnte. Kupfer ist, wie Analysten zunehmend diagnostizieren, das neue Öl.

Uran: Atomare Renaissance trifft auf Angebotsmangel

Der Uranpreis beendete 2025 bei rund 82 US-Dollar pro Pfund — ein Anstieg von über 150 Prozent seit 2020. Das Comeback der Kernkraft, das die EU mit ihrer Aufnahme in die nachhaltige Investitionstaxonomie institutionell bekräftigt hat, trifft auf ein strukturell knappes Angebot: Kazatomprom, der weltgrößte Uranproduzent, hat seine Produktionsprognose für 2026 auf rund 77 Millionen Pfund gesenkt; Cameco reduzierte die Förderung aus der McArthur-River-Mine. Gleichzeitig treiben Tech-Konzerne wie Microsoft, Google und Amazon die Nachfrage nach kernkraftgespeistem CO₂-armen Grundlaststrom — ihre KI-Rechenzentren benötigen rund um die Uhr verlässliche Energie, die Wind und Solar allein nicht liefern können. Small Modular Reactors (SMRs) sollen laut Prognosen bis 2040 sieben Prozent der weltweiten Kernenergiekapazität stellen und eine neue, schneller skalierbare Reaktorgeneration darstellen.

Lithium: Erholung nach dem Preiseinbruch — Nachfrageboom 2026 erwartet

Nach einer langen Schwächephase durch Überkapazitäten und Lagerabbau zeichnet sich bei Lithium eine deutliche Markterholung ab. Ganfeng Lithium, einer der weltgrößten Hersteller, prognostiziert ein Nachfragewachstum von 30 bis 40 Prozent für 2026 — getrieben sowohl von der anhaltend wachsenden Elektromobilität als auch vom stark aufkommenden Markt für stationäre Netzstromspeicher. In China könnte der EV-Marktanteil 2026 auf 60 bis 70 Prozent steigen; CATL allein hält mit 43,7 Prozent Marktanteil bei installierten Batteriekapazitäten eine schwergewichtige Stellung. Der Lithiumcarbonat-Preis könnte in einem optimistischen Szenario auf über 150.000 Yuan pro Tonne steigen.

Wasserstoff als Ergänzungsrohstoff — aber kein schnelles Allheilmittel

Grüner Wasserstoff gilt als der fehlende Baustein für Industrieprozesse und den Schwerlastverkehr, wo direkte Elektrifizierung an physische Grenzen stößt. Die Bundesregierung investiert 9 Milliarden Euro in das Europäische Wasserstoff-Backbone — ein 40.000 Kilometer langes Pipeline-Netz. Doch die Produktionskosten von 4 bis 6 Euro pro Kilogramm grünem Wasserstoff liegen weit über dem fossilen Konkurrenten. Das strukturelle Henne-Ei-Problem — ohne gesicherte Abnahme keine Infrastruktur, ohne Infrastruktur keine Abnahme — verzögert den Hochlauf noch um Jahre.

→ Vertiefte Analyse: Uran-Comeback: Kernkraft wird grün — Nachfrage explodiert | Wasserstoff: Bund fördert neue Pipeline-Projekte mit Milliarden

China als Rohstoffmacht: Exportkontrollen und Europas strukturelle Abhängigkeit

Die wohl gravierendste Verwundbarkeit der westlichen Energiewende ist geopolitischer Natur: China kontrolliert rund 60 Prozent der globalen Förderung kritischer Rohstoffe und — entscheidend — 90 Prozent der weltweiten Raffineriekapazitäten. Für Seltene-Erden-Magnete, die in jedem Windgenerator verbaut sind, ist die EU zu 98 Prozent von chinesischen Lieferungen abhängig, wie der Europäische Rechnungshof im Februar 2026 dokumentierte.

Peking hat diese Dominanz 2025 zweifach als geopolitisches Instrument eingesetzt. Im April 2025 wurden Exportlizenzpflichten für sieben Seltene-Erden-Materialien und bestimmte Seltene-Erden-Magnete eingeführt — eine direkte Reaktion auf westliche Halbleitersanktionen. Die unmittelbaren Folgen waren drastisch: Europäische Unternehmen berichteten, dass zwischen August und September 2025 von 141 eingereichten Lizenzanträgen nur 19 genehmigt wurden, während 121 als „dringend” eingestufte Anträge offen blieben. Im Oktober 2025 folgte ein zweites, noch weitreichenderes Restriktionspaket: fünf weitere Seltene Erden sowie Raffinerie- und Magnetherstellungsausrüstung wurden kontrolliert — mit kategorischen Verboten für verteidigungsbezogene Endverwendung.

Die EU hat reagiert: Im Dezember 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission den ReSourceEU Action Plan gegen die wachsende Rohstoffabhängigkeit. Der Critical Raw Materials Act (CRMA), bereits 2024 verabschiedet, setzt bis 2030 ambitionierte Benchmark-Ziele: mindestens 10 Prozent lokale Förderung, 40 Prozent lokale Verarbeitung und 25 Prozent aus Recycling — bei gleichzeitiger Begrenzung der Abhängigkeit von einem einzigen Drittland auf maximal 65 Prozent.

Im Rahmen des ReSourceEU-Plans plant die Kommission zudem Exportbeschränkungen für Permanentmagnet-Schrott (ab Q2 2026) und ein Exportverbot für Schwarzmasse aus Altbatterien in Nicht-OECD-Länder (ab September 2026).

In der Praxis bleibt die Abhängigkeit jedoch strukturell tief verankert. In Skandinavien werden erste europäische Seltene-Erden-Minen erschlossen (LKAB in Schweden), Portugal und Deutschland erkunden eigene Lithiumvorkommen. Doch der Aufbau alternativer Lieferketten dauert zehn Jahre oder länger — eine Zeitspanne, in der die geopolitische Verwundbarkeit unverändert bestehen bleibt. Recycling und Technologiesubstitution (etwa Motoren ohne Permanentmagnete) sind auf kürzere Sicht die wirksameren Hebel.

→ Vertiefte Analyse: China dreht den Hahn zu: Exportstopp schockt den Westen | Lithium-Kartell nach OPEC-Vorbild: Autoindustrie in Sorge

Daten & Evidenz: Rohstoffmärkte 2026 im Überblick

Metrik Wert Quelle
Kupferpreis Prognose Q1 2026 12.750 USD/Tonne Goldman Sachs, Jan 2026
KI-bedingter Kupfer-Mehrbedarf bis 2030 +900.000 Tonnen/Jahr Goldman Sachs Research
Uranpreis Ende 2025 ~82 USD/Pfund (+150% seit 2020) finanzen.net, Jan 2026
Lithium-Nachfragewachstum Prognose 2026 +30-40% Ganfeng Lithium CEO, Nov 2025
EU-Abhängigkeit von China bei SE-Magneten 98% EU-Rechnungshof, Feb 2026
Globale Energiewende-Investitionen 2025 2,3 Billionen USD (+8% ggü. 2024) BloombergNEF, Jan 2026
Globale Ölnachfrage 2026 (IEA-Prognose) 104,87 Mio. Barrel/Tag IEA Oil Market Report, Feb 2026

Die Datenlage zeichnet ein klares Bild: Die Energiewende erzeugt eine Nachfrage nach kritischen Rohstoffen, die das strukturell begrenzte Angebot auf absehbare Zeit übersteigen wird. Kupfer und Uran befinden sich bereits in Phasen hoher Preisdynamik; Lithium steht vor einer Erholung. Die EU-Abhängigkeit von China bei der Weiterverarbeitung — besonders kritisch bei Seltene-Erden-Magneten (98 Prozent) — ist trotz ambitionierter Gesetzgebung auf Jahre hinaus kaum zu reduzieren. Gleichzeitig fließt so viel Kapital wie nie zuvor in die Energiewende: 2,3 Billionen US-Dollar allein 2025. Das zeigt, dass der politische und wirtschaftliche Wille vorhanden ist — die physische Lieferkette hinkt jedoch nach.

Öl und Gas: Die fossile Brückenfunktion dauert länger als geplant

Trotz aller Fortschritte bei erneuerbaren Energien hat die Internationale Energieagentur (IEA) die globale Ölnachfrage für 2026 auf 104,87 Millionen Barrel pro Tag beziffert — getrieben von der nachholenden Industrialisierung in Asien, dem anhaltenden Bedarf im Schwerlastverkehr und der petrochemischen Industrie. China und Indien sind für über 60 Prozent des Nachfragewachstums verantwortlich. Das globale Angebot liegt mit 108,6 Millionen Barrel täglich leicht über der Nachfrage — ein moderater Überschuss, der jedoch bei geopolitischen Schocks rasch aufgezehrt sein kann.

Die geopolitische Risikoprämie bleibt hoch. Die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öltransports fließen, ist der neuralgische Punkt der globalen Energieversorgung. Spannungen im Nahen Osten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Iran, haben den Ölpreis mehrfach scharf nach oben schnellen lassen. Die strukturelle Frage bleibt: Solange die Welt zu über 80 Prozent auf fossile Energieträger angewiesen ist, bleibt sie verwundbar gegenüber geopolitischen Schocks — und der Umbau des Energiesystems ist Klimafrage und Sicherheitsfrage zugleich.

Auch auf dem Gasmarkt ist eine trügerische Beruhigung eingetreten. Die europäischen Gaspreise sind auf Vorkriegsniveau gefallen, gestützt durch gut gefüllte Speicher und LNG-Lieferungen aus den USA und Katar. Doch Marktbeobachter warnen: Europa verfügt nicht mehr über langfristige, günstige Lieferverträge. Jede Kältewelle oder geopolitische Eskalation kann die Preise innerhalb von Tagen verdoppeln. Für die Energiewende hat der niedrige Gaspreis einen paradoxen Effekt: Er nimmt kurzfristig den Handlungsdruck, reduziert aber den ökonomischen Anreiz für den Umstieg auf Erneuerbare — wer heute eine neue Gasheizung installiert statt eine Wärmepumpe, setzt auf die Dauerhaftigkeit niedriger Gaspreise, eine Wette mit erheblichem Downside-Risiko.

→ Vertiefte Analyse: Öl-Nachfrage: IEA korrigiert Prognose für 2026 | Gaspreise fallen auf Vorkriegsniveau — trügerische Ruhe?

Der Rohstoff-Superzyklus: Was Anleger jetzt wissen müssen

Goldman Sachs und andere führende Investmentbanken diagnostizieren den Beginn eines neuen Rohstoff-Superzyklus — einer übergeordneten, 10 bis 15 Jahre andauernden Preisaufwärtsbewegung, die durch strukturelle Nachfrageverschiebungen ausgelöst wird. Der Auslöser diesmal ist die „Trifecta” aus Energiewende, KI und Deglobalisierung — drei gleichzeitig wirkende Megatrends, die alle an denselben Rohstoffen zerren.

Die These ist analytisch überzeugend: Nach einer Dekade chronischer Unterinvestition in den Rohstoffsektor (2014-2024), in der ESG-Vorgaben und niedrige Preise institutionelle Investoren aus Bergbautiteln vertrieben, trifft nun ein strukturell begrenztes Angebot auf eine explodierende Nachfrage. Bergbauunternehmen haben jahrelang zu wenig in neue Minen investiert — die Pipeline ist leer. BloombergNEF verzeichnete für 2025 Rekordinvestitionen von 2,3 Billionen US-Dollar in die Energiewende, ein Anstieg von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aber diese Summen fließen primär in den Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten, nicht in den Rohstoffabbau, der die Materialien für eben diese Kapazitäten liefert.

Für Anleger ergibt sich eine historische Reallokationsgelegenheit. Die Wertschöpfung verschiebt sich von Turbinenherstellern und EV-Produzenten hin zu den Rohstoffförderern:

  • Kupfer-Minen (Freeport-McMoRan, BHP) profitieren von der strukturellen Preisstütze durch die Doppelnachfrage aus Energiewende und KI-Boom.
  • Uran-Produzenten (Cameco, Kazatomprom, Paladin Energy) stehen vor einem anhaltend hohen Preisumfeld, befeuert durch SMR-Projekte und Tech-Konzern-Nachfrage.
  • Lithium-Förderer (Albemarle, SQM, Ganfeng) befinden sich nach dem Preiseinbruch 2023/2024 in der Erholungsphase mit Aufwärtspotenzial bis 2027.
  • Seltene-Erden-Projekte außerhalb Chinas (MP Materials, Energy Fuels in den USA; LKAB in Schweden) gewinnen strategische Prämien, da westliche Regierungen aktiv Alternativen fördern.

Das Risiko der Superzyklus-These: Ein stärkerer als erwarteter wirtschaftlicher Abschwung könnte die Nachfrage temporär dämpfen. Technologiesubstitution — alternative Batteriechemien wie Natrium-Ionen oder Festkörperbatterien, Magnete ohne Seltene Erden — kann einzelne Rohstoff-Nachfragezyklen vorzeitig unterbrechen. Ein diversifizierter Ansatz über Rohstoffklassen hinweg bleibt ratsam.

→ Vertiefte Analyse: Goldman Sachs: Rohstoff-Superzyklus steht erst am Anfang

Häufig gestellte Fragen

F: Welche Rohstoffe sind für die Energiewende am kritischsten?

Kupfer, Lithium, Kobalt, Nickel und Seltene Erden — insbesondere Neodym und Dysprosium für Hochleistungs-Permanentmagnete — sind die wichtigsten kritischen Rohstoffe der Energiewende. Kupfer ist das „Universalmetall” der Transformation: Es steckt in Windturbinen, Solarkabeln, Elektrofahrzeugen und der gesamten Netzinfrastruktur. Lithium ist der Engpassrohstoff der Batterietechnologie. Seltene Erden sind unverzichtbar für Windkraftgeneratoren und Elektromotoren — und China kontrolliert 98 Prozent dieser Lieferkette, was sie zum geopolitischen Hebel macht.

F: Warum treibt die Energiewende die Rohstoffpreise in die Höhe?

Die Energiewende erzeugt eine massive, strukturelle Zusatznachfrage nach Industriemetallen und Batteriematerialien — zu einem Zeitpunkt, an dem das Angebot durch jahrelange Unterinvestition strukturell begrenzt ist. Neue Minen brauchen acht bis zwölf Jahre Vorlaufzeit, und diese Pipeline ist nach einem Jahrzehnt des Desinteresses nahezu leer. Das Phänomen heißt „Greenflation”: Die grüne Transformation treibt genau jene Rohstoffpreise in die Höhe, die sie selbst dringend benötigt. Gleichzeitig verschärft der KI-Boom die Kupfernachfrage durch den massiven Ausbau energiehungriger Rechenzentren.

F: Wie kann Europa seine Abhängigkeit von China bei kritischen Rohstoffen reduzieren?

Der Critical Raw Materials Act (CRMA) der EU setzt Ziele für 2030: 10 Prozent lokale Förderung, 40 Prozent lokale Verarbeitung, 25 Prozent aus Recycling — mit einer Deckelung der Einzellandabhängigkeit auf 65 Prozent. Der ReSourceEU Action Plan vom Dezember 2025 soll die Diversifizierung beschleunigen. In der Praxis ist die Abhängigkeit jedoch strukturell tief verankert: Der Europäische Rechnungshof warnte im Februar 2026, dass die EU die CRMA-Ziele bis 2030 voraussichtlich verfehlen wird. Recycling und Technologiesubstitution sind kurzfristig wirksamere Hebel als neue Minen.

F: Was ist ein Rohstoff-Superzyklus und welche Rohstoffe profitieren am stärksten?

Ein Rohstoff-Superzyklus ist eine übergeordnete, 10 bis 15 Jahre andauernde Phase strukturell steigender Rohstoffpreise, ausgelöst durch fundamentale Nachfrageverschiebungen. Goldman Sachs diagnostiziert 2026 den Beginn eines solchen Zyklus, getrieben von Energiewende, KI und Deglobalisierung. Am stärksten sollten Kupfer (strukturelles Defizit durch Doppelnachfrage), Uran (Kernkraft-Renaissance, SMR-Nachfrage) und Lithium (Erholung nach Preiseinbruch, Nachfrageboom 2026+) profitieren. Bergbauunternehmen in diesen Metallen bieten die direkteste Exposition gegenüber dem Zyklus.

F: Ist Kernkraft wirklich ein Teil der Lösung für die Energiewende?

Ja — die EU hat Kernkraft in ihre Taxonomie für nachhaltige Investitionen aufgenommen, und Frankreich, Japan, die USA und weitere Länder setzen Kernkraft explizit als CO₂-arme Grundlastversorgung ein. Der Uranpreis spiegelt diese Renaissance wider: über +150 Prozent seit 2020, Ende 2025 bei ~82 USD pro Pfund. Small Modular Reactors (SMRs) versprechen schnellere, kostengünstigere Skalierbarkeit und werden aktiv von Tech-Konzernen für die Versorgung ihrer KI-Rechenzentren nachgefragt. Für Anleger bedeutet das: Uran-Förderer und SMR-Entwickler sind eine direkte Wette auf die atomare Komponente der Energiewende.

Fazit: Die Rohstoff-Revolution entscheidet über das Tempo des Klimaschutzes

Die Energiewende Rohstoffe 2026 zeichnen ein eindeutiges Bild: Die grüne Transformation ist in vollem Gange, aber ihr Tempo wird nicht von Parlamentsbeschlüssen und Klimazielen bestimmt, sondern von Minen, Lieferketten und geopolitischen Machtkonstellationen. Wer glaubt, dass der Übergang von fossilen zu erneuerbaren Energieträgern einfach oder linear verläuft, verkennt die physische Realität.

Für Anleger und Industriemanager ergibt sich eine strukturelle Neubewertung: Nach einem Jahrzehnt der Vernachlässigung rücken Bergbau und Verarbeitung kritischer Rohstoffe zurück ins Zentrum der Investitionsstrategie. Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wie schnell und zu welchem Preis die Transformation gelingt.

Key Takeaways

  • Kupfer ist der wichtigste Engpassrohstoff der Energiewende: Goldman Sachs prognostiziert 12.750 USD/Tonne für Q1 2026, JP Morgan 12.075 USD Jahresdurchschnitt — getrieben von Energiewende und KI-Boom gleichzeitig.
  • Uran hat seit 2020 über 150% zugelegt und ist mit der Kernkraft-Renaissance zum Zukunftsrohstoff geworden, gestützt von SMR-Projekten und Tech-Konzern-Nachfrage nach Grundlaststrom.
  • China kontrolliert 90% der Raffineriekapazitäten für kritische Rohstoffe und hat 2025 Exportrestriktionen auf über 12 strategische Materialien ausgeweitet — die größte strukturelle Gefahr für Europas Energiewende.
  • Die EU wird ihre CRMA-Ziele für 2030 nach Einschätzung des Europäischen Rechnungshofs (Februar 2026) voraussichtlich verfehlen — die Abhängigkeit von China bleibt auf ein Jahrzehnt hinaus bestehen.
  • Der Rohstoff-Superzyklus bietet Anlegern eine historische Einstiegsgelegenheit: Nach einem Jahrzehnt der Unterinvestition trifft ein knappes Angebot auf eine durch Energiewende, KI und Deglobalisierung getriebene Nachfrage.

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