Rohstoff-Superzyklus 2026: Warum Kupfer, Gold und Uran strukturell steigen

Gold bei $5.400, Kupfer bei $11.400, Uran im Defizit: Warum strukturelle Unterinvestition und Energiewende-Nachfrage einen Rohstoff-Superzyklus antreiben.
Rohstoff Superzyklus 2026 — Luftaufnahme einer Kupfermine mit Tagebau und Verarbeitungsanlagen
Auf einen Blick
  • Einlagenzins: 2,00% (unverandert)
  • Inflation Eurozone: 1,7% (Januar 2026)
  • Senkungen seit 2024: 8 (von 4,00% auf 2,00%)
  • Nachste Sitzung: 6. Marz 2026
  • TTF-Gaspreis: 37 EUR/MWh

5.400 US-Dollar pro Unze. Das ist Goldman Sachs’ Goldpreisprognose fur Ende 2026 — angehoben von 4.900 Dollar im Januar, nachdem Zentralbanken weltweit ihre Kaufe auf 60 Tonnen monatlich beschleunigt haben und allein China seit 15 Monaten ununterbrochen Gold akkumuliert (Goldman Sachs, Januar 2026). Gleichzeitig konsolidiert Kupfer bei 11.400 Dollar pro Tonne, wahrend Ol unter Angebotsuberschuss auf 56 Dollar pro Barrel fallt.

Die These vom Rohstoff-Superzyklus — einer mehrjahrigen Phase strukturell steigender Preise — wird in der Finanzindustrie seit 2023 diskutiert. Goldman Sachs selbst hat die Debatte massgeblich angestossen und sieht Rohstoffe als die Anlageklasse mit dem starksten strukturellen Ausblick (Goldman Sachs Commodity Outlook 2026). Doch die Realitat 2026 ist differenzierter als die Uberschrift suggeriert: Nicht alle Rohstoffe steigen gleichzeitig. Der Superzyklus fragmentiert — Gold, Kupfer und Uran haben unterschiedliche Treiber, und nicht jeder Rohstoff profitiert von denselben Kraften.

Gold: Zentralbanken als struktureller Kaufer

Goldbarren und Goldmünzen auf dunkler Fläche - Goldman Sachs prognostiziert 5.400 Dollar je Unze bis Ende 2026.
Goldman Sachs erwartet Gold bei 5.400 Dollar je Unze bis Ende 2026. Zentralbanken kaufen derzeit rund 60 Tonnen pro Monat – strukturell getrieben durch De-Dollarisierungsstrategien der BRICS-Staaten.

Gold hat Anfang September 2025 erstmals 3.500 US-Dollar pro Unze uberschritten und setzt seinen Aufwartstrend 2026 fort (Finanzen.net, 2025). Goldman Sachs’ revidierte Prognose von 5.400 Dollar fur Ende 2026 basiert auf drei Saulen: erstens Zentralbankkaufe von 60 Tonnen monatlich — angetrieben von der De-Dollarisierungsstrategie der BRICS-Staaten und dem Wunsch nach Reserven ohne Gegenparteirisiko (Goldman Sachs, Januar 2026). Zweitens ETF-Zuflusse von rund 500 Tonnen seit Anfang 2025, die den institutionellen Appetit auf Gold als Portfolioabsicherung widerspiegeln. Drittens die Sorge uber Staatsverschuldung und langfristige Wahrungs-stabilitat — ein Faktor, der neue Nachfrage von Stiftungen und Pensionsfonds generiert.

Die negative Korrelation zwischen Gold und Realzinsen — das traditionelle Bewertungsmodell — ist 2026 temporar ausser Kraft gesetzt. Gold steigt trotz hoher Zinsen, weil die strukturellen Kaufer (Zentralbanken, Staatsfonds) preisunelastisch sind. Union Investment warnt allerdings, dass die Goldbewertung mittlerweile “jenseits von Gut und Bose” liegt und ein Preisruckgang realistisch sei (e-fundresearch, 2026). Fur Anleger bedeutet das: Gold ist derzeit mehr Versicherung als Investment — und der Preis fur Versicherung steigt mit der Unsicherheit.

Vertiefte Analyse: Edelmetalle: Gold und Silber auf Allzeithoch

Kupfer und kritische Mineralien: Der physische Engpass

Kupfer ist Goldman Sachs’ erklartes Lieblings-Industriemetall fur die lange Sicht (Goldman Sachs Commodity Outlook 2026). Die Begrundung: KI-Rechenzentren, Elektrifizierung und der Ausbau erneuerbarer Energien schaffen strukturelle Nachfrage, die das Angebot dauerhaft ubertrifft. Sprott, einer der grossten Rohstoff-Assetmanager, sieht in kritischen Mineralien — Kupfer, Uran und Seltenen Erden — die Treiber eines neuen Superzyklus, in dem Regierungen und Investoren diese Materialien als strategische Guter behandeln (MINING.COM / Sprott, 2025).

Die Angebotsseite verstarkt den Preisdruck: Kupfer-Erzgehalte sind im letzten Jahrzehnt um 25 Prozent gefallen, wahrend die Kosten fur neue Projekte seit 2020 um 65 Prozent gestiegen sind (Discovery Alert, 2025). Ein neues Kupferprojekt von der Entdeckung bis zur Produktion braucht 15 bis 20 Jahre. Die Nachfrage steigt schneller als das Angebot reagieren kann — der klassische Mechanismus eines Angebotsdefizit-Zyklus.

Uran ist ein Sonderfall: Die Renaissance der Kernkraft — getrieben von Energiesicherheitsbedenken und Dekarbonisierungszielen — hat die Nachfrage belebt, wahrend die Angebotsseite nach Jahren der Unterinvestition eingeschrankt bleibt. Regierungen behandeln Uran zunehmend als strategisches Gut, nicht als Rohstoff (Sprott, 2025). Fur Anleger entsteht daraus eine differenzierte These: Gold ist Schutz, Kupfer ist Infrastruktur, Uran ist Politik — und jeder Rohstoff erfordert eine andere Bewertungslogik.


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Der Anti-Superzyklus: Warum Ol und der Gesamtmarkt skeptisch stimmen

Goldman Sachs’ eigene Prognose enthalt ein Gegenargument zum Superzyklus: Ol fallt. Die Brent-Prognose von 56 Dollar pro Barrel fur 2026 liegt deutlich unter dem Niveau der letzten zwei Jahre (Goldman Sachs Commodity Outlook 2026). Der Grund: wachsendes Angebot aus den USA, Saudi-Arabien und den VAE trifft auf eine Nachfrage, die zwar stetig wachst, aber nicht explosiv. Chinas Immobiliensektor bleibt unter Druck, die globale Industrieproduktion wachst moderat, und es gibt keinen synchronisierten globalen Nachfrageimpuls, der einen Superzyklus uber alle Rohstoffe gleichzeitig tragen wurde.

Das bedeutet: Was als “Rohstoff-Superzyklus” diskutiert wird, ist in Wirklichkeit eine Fragmentierung in mehrere parallele Zyklen — ein Gold-Zyklus (geopolitisch und monetar getrieben), ein Kupfer/Uran-Zyklus (Energiewende und Infrastruktur) und ein Ol-Zyklus (Angebotsüberschuss). Die Investmentstrategie muss entsprechend differenziert sein: nicht “Rohstoffe kaufen”, sondern den richtigen Rohstoff im richtigen Zyklus identifizieren.

Vertiefte Analyse: Energiewende & Rohstoffe: Vollstandige Marktanalyse | Kupfer: Engpass durch KI-Rechenzentren | Uran: Kernkraft-Comeback treibt Nachfrage

Daten & Evidenz: Rohstoff-Superzyklus 2026 im Uberblick

Metrik Wert Quelle
Goldman Sachs Gold-Prognose Ende 2026 $5.400/Unze (revidiert von $4.900 im Jan 2026) Goldman Sachs / TheStreet, 2026
Goldman Sachs Kupfer-Prognose 2026 $11.400/Tonne (Konsolidierung, langfristiger Favorit) Goldman Sachs Commodity Outlook 2026
Goldman Sachs Brent-Prognose 2026 $56/Barrel (Angebotsüberschuss) Goldman Sachs / Investing.com
Zentralbank-Goldkaufe 2026 60 Tonnen/Monat; China 15 Monate in Folge Goldman Sachs / TheStreet, 2026
Kupfer-Erzgehalte -25% im letzten Jahrzehnt Discovery Alert, 2025
Kosten neue Kupferprojekte +65% seit 2020 Discovery Alert, 2025

Haufig gestellte Fragen

F: Gibt es wirklich einen Rohstoff-Superzyklus?

Es gibt keinen einheitlichen Superzyklus uber alle Rohstoffe. Goldman Sachs selbst unterscheidet: Gold steigt durch Zentralbankkaufe und De-Dollarisierung, Kupfer und Uran durch Energiewende-Nachfrage, Ol fallt durch Angebotsüberschuss. Die korrekte Beschreibung ist eine Fragmentierung in parallele Zyklen mit unterschiedlichen Treibern.

F: Warum prognostiziert Goldman Sachs Gold bei $5.400?

Drei Treiber: Zentralbankkaufe von 60 Tonnen monatlich (De-Dollarisierung), ETF-Zuflusse von 500 Tonnen seit 2025, und wachsende Sorge uber Staatsverschuldung. Die negative Korrelation zu Realzinsen ist temporar ausser Kraft (Goldman Sachs, Januar 2026).

F: Welcher Rohstoff ist fur langfristige Anleger am attraktivsten?

Goldman Sachs nennt Kupfer als langfristigen Favoriten unter den Industriemetallen — getrieben durch KI-Infrastruktur und Elektrifizierung. Die Angebotsseite ist eingeschrankt: Erzgehalte sinken, neue Projekte brauchen 15-20 Jahre. Gold ist Absicherung, Kupfer ist Infrastruktur-Investment.

Fazit: Kein Superzyklus — aber mehrere parallele Bullenmarkte

Die Rohstoff-Superzyklus-These in ihrer reinen Form — alle Rohstoffe steigen gleichzeitig uber Jahre — halt der Datenprufung nicht stand. Was stattdessen stattfindet, ist eine strukturelle Neuordnung: Gold als geopolitische Versicherung, Kupfer und Uran als Energiewende-Rohstoffe, Ol als Verlierer des Angebotsüberschusses. Die Investmentstrategie muss diesen Unterschied reflektieren.

Kernaussagen

  • Gold bei $5.400/Unze Prognose Ende 2026 (Goldman Sachs) — getrieben von Zentralbankkaufen (60 Tonnen/Monat), De-Dollarisierung und institutionellen ETF-Zuflussen.
  • Kupfer konsolidiert bei $11.400/Tonne — Goldman Sachs’ langfristiger Industriemetall-Favorit durch KI-Rechenzentren und Elektrifizierung, wahrend Erzgehalte um 25% gefallen sind.
  • Ol fallt auf $56/Barrel (Brent) durch Angebotsüberschuss — kein synchronisierter Nachfrageboom, der einen breiten Superzyklus stutzen wurde.
  • Fragmentierung statt Superzyklus: Gold, Kupfer/Uran und Ol haben unterschiedliche Treiber und erfordern unterschiedliche Investmentstrategien.

Quellen

  1. Goldman Sachs, Commodity Outlook 2026: Ride the Power Race and Supply Waves. goldmansachs.com
  2. Goldman Sachs Gold-Prognose, TheStreet, 2026. thestreet.com
  3. Goldman Sachs Commodity Picks, Investing.com / Reuters. investing.com
  4. Sprott, Critical Minerals Drive New Commodity Supercycle, MINING.COM, 2025. mining.com
  5. Discovery Alert, Commodity Supercycle Investors Guide, 2025. discoveryalert.com.au
  6. e-fundresearch / Union Investment, Rohstoffausblick 2026. e-fundresearch.com
  7. Finanzen.net, Gold Superzyklus Goldman Sachs, 2025. finanzen.net

Alle Analysen zu Rohstoffmarkten, Energiewende und Investmentperspektiven finden Sie im Energiewende & Rohstoffe Silo.

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