Das letzte Mal, dass eine amerikanische Administration Zolle von 60 Prozent auf eine strategische Warengruppe erhoben hat, war in den 1930er Jahren — im Smoot-Hawley Tariff Act. 90 Jahre spaeter sind die 60 Prozent zurueck. Der Section-301-Zoll auf chinesische Solarzellen, Wafer und Polysilizium hat diesen Satz im Februar 2025 erreicht, nachdem Praesident Trump die Biden-Zolle von 50 Prozent um weitere 10 Prozentpunkte erhoht hat 1.
Die Abfolge ist instruktiv — nicht als Chronik, sondern als Muster. Drei Zollwellen in 18 Monaten, quer ueber zwei Administrationen, mit wachsendem Konsens zwischen Demokraten und Republikanern: China darf den US-Markt fuer Solartechnologie nicht dominieren. Die Konsequenz fuer die amerikanische Energiewende ist gravierend, aber nicht eindeutig — und fuer Europa entsteht eine neue Verwundbarkeit.
Drei Zollwellen: Biden (Mai 2024), Biden (Dezember 2024), Trump (Februar 2025)

Die erste Welle kam im Mai 2024. Die Biden-Administration verdoppelte die Section-301-Zolle auf chinesische Solarzellen von 25 auf 50 Prozent — Teil eines breiteren Zollpakets, das auch Elektrofahrzeuge (100 Prozent), Lithium-Ionen-Batterien (25 Prozent) und Halbleiter (50 Prozent) umfasste 2. Die Begruendung: Chinesische Ueberkapazitaeten gefaehrden die US-Industriepolitik, insbesondere die durch den Inflation Reduction Act (IRA) angeschobenen Investitionen in die heimische Solarproduktion.
Die zweite Welle folgte im Dezember 2024. Die USTR verhaengte zusaetzliche 50-Prozent-Zolle auf Solar-Wafer und Polysilizium aus China — die Vorprodukte fuer Solarzellen 3. Damit war die gesamte Wertschoepfungskette erfasst: von Rohmaterial (Polysilizium) ueber Zwischenprodukt (Wafer) bis zur Endmontage.
Die dritte Welle kam im Februar 2025 durch die Trump-Administration. Eine Executive Order fuegte weitere 10 Prozent Zoll hinzu, was die Gesamtabgabe auf chinesische Solar-Materialien auf 60 Prozent trieb 1. Trump begrundete die Massnahme mit dem Schutz der durch den IRA angeschobenen US-Solarfabriken — ein bemerkenswertes Beispiel fur bipartisane Kontinuitaet.
Was das fuer den US-Solarmarkt bedeutet

Die Rechnung ist doppelschneidig. Einerseits hat die US-Solarfertigung tatsaechlich reagiert: First Solar, Hanwha Qcells, SunPower und eine Welle neuer Produzenten haben seit 2023 Gigafabrikkapazitaeten aufgebaut. First Solar allein betreibt inzwischen uber 10 GW jaehrliche Modulproduktion in Ohio, Alabama und Louisiana.
Andererseits sind die Preise fuer Solarmodule in den USA deutlich hoeher als in Europa und Asien. Chinesische Module kosten weltweit etwa 0,10 USD pro Watt; in den USA — aufgrund der Zolle und der inlandischen Produktionskosten — liegen die Preise bei 0,30 bis 0,40 USD pro Watt. Das verzoegert den Ausbau der Solarkapazitaeten und macht das Energiewendeprojekt fuer amerikanische Verbraucher teurer.
Die Kehrseite der Zollwand: Chinesische Hersteller umgehen die Zolle systematisch ueber Produktionsstandorte in Suedostasien — Vietnam, Malaysia, Thailand, Kambodscha. Die US-Handelsaufsicht hat 2024 Anti-Circumvention-Verfahren gegen vier suedostasiatische Laender eroeffnet und zusaetzliche Zolle verhaengt, aber das Spielfeld verschiebt sich kontinuierlich.
Die europaische Dimension: Chance oder Risiko?

Fuer europaische Solarhersteller entsteht aus den US-Zollen ein ambivalentes Bild. Einerseits: Europa hat keine vergleichbaren Zollmauern. Das chinesische Solarangebot, das aus dem US-Markt verdrangt wird, flieset verstaerkt nach Europa. Die Grosshandelspreise fuer Solarmodule in Europa sind seit 2023 um 40 bis 50 Prozent gefallen — eine Konsequenz dieser Umleitung.
Andererseits: Europaische Solarhersteller — Meyer Burger, Voltec Solar, einige kleinere deutsche Anbieter — koennen gegen diese Preiswelle nicht bestehen. Meyer Burger hat 2024 seine deutsche Produktion eingestellt und nach den USA verlagert, wo die Section-301-Zolle einen Schutzmarkt schaffen. Die strukturelle Abhangigkeit Europas von chinesischer Solartechnologie bleibt ungebrochen — und nimmt zu, nicht ab.
Die EU-Kommission diskutiert seit Monaten ueber eigene Anti-Dumping-Massnahmen, aber der Konsens unter den Mitgliedstaaten ist gering: Deutschland und Polen setzen auf niedrige Preise, Frankreich und Italien fordern Schutzmassnahmen fuer eigene Hersteller. Das Ergebnis: Laehmung.
Daten & Evidenz
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| US-Zoll auf chinesische Solarzellen (2023) | 25% | USTR |
| US-Zoll nach Biden-Erhoehung (Mai 2024) | 50% | USTR / Duane Morris |
| US-Zoll Wafer/Polysilizium (Dez 2024) | 50% | USTR |
| US-Gesamtzoll nach Trump (Feb 2025) | 60% | PV Magazine |
| US-Zoll auf chinesische EVs (seit Mai 2024) | 100% | USTR |
| Section-301-Zolle Gesamtvolumen (2025) | 77 Mrd. USD | Tax Foundation |
| Chinesischer Modulpreis weltweit | ~0,10 USD/W | PV InfoLink |
| US-Modulpreis (nach Zolle) | 0,30-0,40 USD/W | EnergySage |
Haufig gestellte Fragen
Warum sind die US-Solarzolle auf China so hoch?
Beide Administrationen — Biden und Trump — sehen Chinas Solardominanz als strategisches Risiko fuer die US-Industriepolitik. Die Zolle sollen einen Schutzmarkt fuer inlandische Hersteller schaffen, die durch den Inflation Reduction Act unterstuetzt werden.
Wirken die Zolle wirklich?
Teilweise. Die US-Solarfertigung ist seit 2023 deutlich gewachsen. Aber chinesische Hersteller umgehen die Zolle ueber Produktionsstandorte in Suedostasien, und die Gesamtkosten fuer US-Solarprojekte bleiben deutlich hoeher als in Europa oder Asien.
Was bedeutet das fuer europaische Solarhersteller?
Ambivalent. Einerseits flieset das chinesische Solarangebot verstaerkt nach Europa und drueckt die Preise — gut fuer Verbraucher und Ausbau, schlecht fuer europaische Hersteller. Meyer Burger hat 2024 seine deutsche Produktion eingestellt und nach USA verlagert.
Kernaussagen
- US-Solarzolle auf China liegen bei 60 Prozent — nach drei Zollwellen von Biden und Trump in 18 Monaten.
- Bipartisaner Konsens: Beide Parteien sehen Chinas Solardominanz als strategisches Risiko und schuetzen den durch IRA angeschobenen US-Markt.
- Umleitungseffekt: Chinesisches Solarangebot flieset verstaerkt nach Europa, drueckt die Preise um 40-50 Prozent.
- EU-Reaktion gelaehmt: Kein Konsens zwischen Mitgliedstaaten ueber Schutzmassnahmen.
Quellen
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PV Magazine International, „US government raises tariffs on Chinese solar polysilicon, wafers, cells to 60%”, Februar 2025. https://www.pv-magazine.com/2025/02/05/us-government-raises-solar-polysilicon-wafer-and-cell-tariffs-from-china-to-60/ ↩↩
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Duane Morris LLP, „White House Announces Significantly Increased Tariffs on Chinese Solar Cells, Batteries, Electric Vehicles and Other Goods”, Mai 2024. https://www.duanemorris.com/alerts/white_house_imposes_tariffs_chinese_solar_cells_batteries_electric_vehicles_other_goods_0524.html ↩
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Supply Chain Dive, „Biden unveils fresh China tariff hikes”, Dezember 2024. https://www.supplychaindive.com/news/ustr-biden-tariff-increase-wafers-polysilicon-tungsten/735240/ ↩
-
Covington & Burling LLP, „Section 301 Tariffs and Proceedings: Recent and Potential Developments”, Dezember 2024. https://www.cov.com/en/news-and-insights/insights/2024/12/section-301-tariffs-and-proceedings-recent-and-potential-developments ↩
-
Tax Foundation, „Tariff Tracker: 2026 Trump Tariffs & Trade War by the Numbers”, 2026. https://taxfoundation.org/research/all/federal/trump-tariffs-trade-war/ ↩




