BRICS+ 2026: Warum die De-Dollarisierung langsamer kommt als erwartet

BRICS+ hat 10 Mitglieder und 40% des globalen BIP. Aber die Dollar-Dominanz bricht langsamer als erwartet — Analyse der strukturellen Grenzen.
Delegierte der BRICS+-Mitgliedstaaten bei einem Gipfeltreffen, Nationalflaggen und institutionelle Beschilderung im Hintergrund.
Auf einen Blick
  • Einlagenzins: 2,00% (unverandert)
  • Inflation Eurozone: 1,7% (Januar 2026)
  • Senkungen seit 2024: 8 (von 4,00% auf 2,00%)
  • Nachste Sitzung: 6. Marz 2026
  • TTF-Gaspreis: 37 EUR/MWh

Das letzte Mal, dass eine alternative Weltwaehrung ernsthaft diskutiert wurde, war im September 1971 — nach dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems. Was damals folgte, war nicht der Aufstieg einer Gegenwaehrung, sondern die Festigung des Dollar-Standards als Petrodollar-System, getragen durch saudisches Ol und US-Militarprasenz. 55 Jahre spaeter scheint die Geschichte neue Optionen zu eroffnen — und wieder stehen die gleichen Fragen im Raum: Kann der Dollar durch eine Alternative ersetzt werden? Und wenn ja, wann?

BRICS+ hat Anfang 2026 zehn Mitgliedsstaaten: Brasilien, Russland, Indien, China, Sudafrika sowie die 2024 hinzugekommenen Agypten, Athiopien, Indonesien, Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate 1. Saudi-Arabien hat seine formelle Aufnahme im Juli 2025 abgeschlossen, was den Block auf 11 Mitglieder und zusatzlich 10 Partnerlander erweitert. Zusammen repraesentieren sie fast 40 Prozent des globalen BIP (gemessen in Kaufkraftparitaten) und 47,9 Prozent der Weltbevoelkerung.

Die Realitaet der De-Dollarisierung: Langsam, aber stetig

BRICS De-Dollarisierung Inline 2
BRICS De-Dollarisierung – Inline 2

Der Dollar-Anteil an globalen Devisenreserven ist von 73 Prozent (2001) auf rund 54 Prozent (2025) gefallen — ein deutlicher Rueckgang, aber weit entfernt von einer Ablose 2. In absoluten Zahlen haelt der Dollar noch immer einen Anteil von 58 bis 60 Prozent der globalen Reserven, und seine Liquiditaetstiefe in den Anleihemarkten ist unerreicht.

Der Ruckgang kommt nicht durch einen Anstieg des Euro (dessen Reserveanteil stagniert) oder des Yuan (dessen Anteil unter 3 Prozent liegt), sondern durch Gold: BRICS+-Zentralbanken halten inzwischen 17,4 Prozent der globalen Goldreserven — gegenueber 11,2 Prozent im Jahr 2019. Zwischen 2020 und 2024 kauften BRICS-Zentralbanken uber 50 Prozent aller Gold-Nettokaufe weltweit.

Das ist der entscheidende Befund: Die De-Dollarisierung ist real, aber sie findet nicht durch einen Wahrungswechsel statt, sondern durch einen Asset-Wechsel. Zentralbanken verkaufen Dollar-Anleihen und kaufen Gold — nicht Euro oder Yuan.

BRICS Pay und die neue Zahlungsinfrastruktur

Indiens Außenminister Jaishankar spricht vor Mikrofonen am Rednerpult bei einer Pressekonferenz.
Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar hat eine aktive De-Dollarisierungspolitik öffentlich zurückgewiesen – Neu-Delhi gilt als einer der stärksten Bremsklötze gegen eine gemeinsame BRICS-Währung.

Rather than pursuing eine neue Einheitswahrung, konzentriert sich BRICS+ auf alternative Zahlungsinfrastruktur. Die BRICS Unit ist nicht als Ersatz fuer den Dollar als Reservewahrung konzipiert, sondern als Abrechnungsinstrument fuer den Handel zwischen BRICS+-Staaten 3.

BRICS Pay, das urspruenglich fuer Ende 2026 in der Pilotphase geplant war, ist jetzt auf 2030 verschoben worden. Das System soll die nationalen Zahlungsnetzwerke der Mitgliedsstaaten verknupfen — Russlands SPFS, Chinas CIPS und Indiens UPI. Das ist keine Revolution, sondern eine Infrastruktur-Alternative zu SWIFT, die fur spezifische Use Cases funktioniert: bilateralen Handel, Sanktionsumgehung, Rohstoffzahlungen.

Die strukturelle Schwaeche: BRICS Pay funktioniert nur zwischen Mitgliedsstaaten. Wenn China Oel von Saudi-Arabien kauft, kann es BRICS Pay verwenden — aber fuer die Abrechnung mit Europa oder den USA bleibt SWIFT/Dollar der Standard. Die Netzwerkeffekte der bestehenden Dollar-Infrastruktur sind immens, und alternative Systeme brauchen Jahrzehnte, um vergleichbare Tiefe zu erreichen.

Interne Spaltungen: Warum BRICS+ keine geschlossene Front ist

Außenansicht des SWIFT-Hauptgebäudes in La Hulpe, Belgien, im städtischen Umfeld.
SWIFT wickelt täglich Billionen Dollar im globalen Zahlungsverkehr ab – das belgische Clearinghaus bleibt der Maßstab, an dem sich Alternativen wie BRICS Pay messen lassen müssen.

Der groste Mythos in der De-Dollarisierungs-Debatte ist die Annahme, BRICS+ sei ein kohaesiver Block mit einheitlichen Interessen. In der Realitaet ist es eine Sammlung von Staaten mit sehr unterschiedlichen strategischen Kalkulen.

Indien hat mehrfach klargemacht, dass es keine aktive De-Dollarisierung verfolgt. Aussenminister Jaishankar erklaerte im Marz 2025: “Ich denke nicht, dass wir eine Politik haben, den Dollar zu ersetzen. Der Dollar als Reservewahrung ist die Quelle globaler wirtschaftlicher Stabilitaet” 4. Indien profitiert von Dollar-Liquiditaet fur seinen Handel und hat kein Interesse, ein System zu schwaechen, das fur Indien funktioniert.

China treibt die Alternative aktiv voran — aber primaer als geopolitisches Druckmittel gegen die USA, nicht als strukturellen Ersatz. Der Yuan ist immer noch eine eingeschraenkt konvertierbare Wahrung, und Chinas Kapitalverkehrskontrollen verhindern, dass der Yuan die Rolle einer Reservewahrung ubernehmen kann.

Russland ist der extremste Fall — nach den Sanktionen 2022 ist der Dollar fuer Russland kein verfuegbares Asset mehr, also ist die “De-Dollarisierung” hier eine erzwungene Realitaet, nicht eine Wahl. Russland nutzt Gold, Yuan und bilaterale Abkommen als Ersatz.

Saudi-Arabien spielt ein Doppelspiel: formelle BRICS-Mitgliedschaft, aber gleichzeitig die Beibehaltung des Petrodollar-Systems und enge Sicherheitspartnerschaft mit den USA.

Was das fuer Anleger bedeutet

Erstens: Der Dollar bleibt kurzfristig dominant. Die Netzwerkeffekte, Liquiditaetstiefe und institutionelle Infrastruktur sind zu stark, um durch BRICS+-Initiativen kurzfristig verdrangt zu werden. Dollar-Anleihen bleiben das strukturelle Rueckgrat globaler Portfolios.

Zweitens: Gold als Hedge wird strukturell. Die De-Dollarisierung findet primaer ueber Goldkaufe statt. Das ist eine mehrjaehrige Verschiebung, die unabhaengig vom Zinsniveau wirkt. Fuer Portfolios bedeutet das eine strukturell erhohte Gold-Allokation.

Drittens: Regional-Alternativen entstehen. Fuer spezifische Use Cases (China-Russland-Handel, Ol-Zahlungen, Sanktionsumgehung) entstehen parallele Systeme. Das schafft Fragmentierung, aber keine Ablosung.

Daten & Evidenz

Kennzahl Wert Quelle
BRICS+ Mitglieder (Anfang 2026) 10 (11 mit Saudi-Arabien ab Juli 2025) Econify, 2026
BRICS+ Partnerlander 10 CFR
BRICS+ Anteil globales BIP (PPP) ~40% IMF
BRICS+ Anteil Weltbevoelkerung 47,9% UN
Dollar-Anteil globale Reserven (2025) 54% (von 73% in 2001) IMF COFER
BRICS+ Anteil globale Goldreserven (2025) 17,4% (von 11,2% in 2019) World Gold Council
BRICS Pay Zieljahr (operativ) 2030 (verschoben von 2026) BRICS Summit 2025
China Yuan-Anteil globale Reserven <3% IMF COFER

Haufig gestellte Fragen

Wird der Dollar durch eine BRICS-Waehrung ersetzt?
Nicht in absehbarer Zeit. BRICS+ verfolgt keine einheitliche Alternativwaehrung, sondern parallele Zahlungsinfrastruktur fuer bilateralen Handel. Der Dollar bleibt durch Liquiditaetstiefe und Netzwerkeffekte strukturell dominant.

Warum kaufen Zentralbanken so viel Gold?
Nach den Sanktionen gegen russische Zentralbankreserven 2022 haben viele Zentralbanken erkannt, dass Dollar-Reserven politisch erpressbar sind. Gold ist neutral, physikalisch vorhanden und nicht durch Sanktionen einfrierbar — fuer BRICS+-Staaten die logische Alternative.

Welche Rolle spielt Indien?
Indien ist der strukturelle Verhinderer einer radikalen De-Dollarisierung. Das Land profitiert vom Dollar-System und hat in internationalen Foren wiederholt klargemacht, dass es keine aktive Abkehr vom Dollar verfolgt. Indien stabilisiert das bestehende System von innen heraus.

Kernaussagen

  • BRICS+ hat 10 Mitglieder und 40% des globalen BIP — aber die De-Dollarisierung verlaeuft langsamer als erwartet.
  • Der Dollar-Anteil an Reserven ist von 73% auf 54% gefallen — primaer zugunsten von Gold, nicht alternativer Waehrungen.
  • BRICS Pay wurde von 2026 auf 2030 verschoben — Infrastrukturaufbau ist komplexer als politische Rhetorik.
  • Indien blockiert strukturelle De-Dollarisierung — nicht alle BRICS+-Mitglieder teilen die gleichen Interessen.

Quellen


  1. Council on Foreign Relations, „What Is the BRICS Group and Why Is It Expanding?”, 2025. https://www.cfr.org/backgrounders/what-brics-group-and-why-it-expanding 

  2. IMF COFER / EBC Financial Group, „BRICS Gold Reserves Hit 17.4% as the Dollar’s Share Keeps Falling”, 2025. https://www.ebc.com/forex/brics-gold-reserves-hit-17-4-as-the-dollars-share-keeps-falling 

  3. BTCC / Braumiller Law, „BRICS Currency Launch Date 2026: What We Know So Far”, 2025. https://www.jdsupra.com/legalnews/hot-topics-in-international-trade-2591362/ 

  4. Investing News Network, „How Would a New BRICS Currency Affect the US Dollar?”, 2025. https://investingnews.com/brics-currency/ 

  5. Econify, „BRICS Expansion & US Dollar: Navigating Global Economic Shifts”, 2026. https://econify.org/brics-expansion-impact-on-usd-2026/ 

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