Auf der Karte sieht Sriperumbudur — eine Industriestadt 40 Kilometer westlich von Chennai — unspektakulaer aus. In der Produktionsrealitaet der Apple-Lieferkette ist es einer der wichtigsten Standorte der Welt. Foxconns Fabrik hier — neben der Tata-Anlage und zwei weiteren Standorten — hat 2025 rund 55 Millionen iPhones produziert, ein Anstieg von 53 Prozent gegenueber den 36 Millionen in 2024 1. Apple montiert damit inzwischen rund 25 Prozent seiner globalen iPhone-Produktion in Indien — ein Wert, der 2023 noch unter 5 Prozent lag.
Die strategische Erklaerung fuer diese Verschiebung ist einfach, aber oft missverstanden. Die offizielle Begruendung ist “China plus One” — die Diversifizierung der Lieferkette zur Risikoreduzierung. Die strukturelle Erklaerung ist die Trump-Zoll-Mathematik: iPhones aus China werden mit Importzollen von rund 55 Prozent belegt, iPhones aus Indien mit rund 10 Prozent 1. Die Differenz ist gross genug, um ganze Produktionslinien zu verlagern — und Apple hat genau das getan.
Die Zahlen: 55 Millionen iPhones und Foxconns Bangalore-Werk

Die Produktionsverlagerung ist messbar. Apple produzierte 2023 etwa 12 Millionen iPhones in Indien. 2024 waren es 36 Millionen — eine Verdreifachung. 2025 stiegen die Zahlen auf 55 Millionen — ein weiterer Sprung von 53 Prozent 1. Apples Gesamtproduktion weltweit liegt bei 220 bis 230 Millionen iPhones jaehrlich, was Indiens Anteil auf 25 Prozent bringt.
Foxconns 300 Hektar grosses Werk in Bangalore ist auf dem Weg, die zweitgroesste Foxconn-Fabrik weltweit zu werden — nach Zhengzhou in China, der legendaeren “iPhone City” 2. Das ist ein symbolischer Sprung: Indien ist nicht mehr ein Ergaenzungsstandort, sondern ein strategischer Produktionsstandort.
Die Arbeitsteilung ist dabei differenziert. Foxconn traegt ueber die Haelfte der iPhone-Exporte aus Indien bei, Tata Group rund 40 Prozent. Tatas Uebernahme der Wistron-India-Operation (Bangalore) und der Pegatron-Fabrik in Chennai hat das Unternehmen zu einem zentralen Apple-Zulieferer gemacht — die erste indische Firma in der Kernlieferkette eines US-Tech-Giganten.
Apples Ziel: Mehrheit der US-iPhones aus Indien bis Ende 2026

Tim Cook hat bei der letzten Earnings-Call angedeutet, dass Apple bis Ende 2026 die Mehrheit der in den USA verkauften iPhones in Indien produzieren will 3. Das ist kein Wunsch, sondern eine operative Entscheidung. Die zugrundeliegende Zoll-Differenz macht den Umzug wirtschaftlich zwingend.
Die Trump-Administration hat die Zolle auf chinesische Importe seit Januar 2025 drastisch erhoeht. iPhones aus China werden mit einem kombinierten Zoll von rund 55 Prozent belegt — bestehend aus regulaerem Einfuhrzoll plus zusaetzlichen Section-301-Zollen plus einer weiteren “Strafzoll-Komponente”. iPhones aus Indien werden mit rund 10 Prozent belegt 1.
Die Rechnung ist simpel: Ein iPhone mit Grosshandelspreis von 500 USD kostet Apple beim China-Import einen Zoll von 275 USD. Beim Indien-Import sind es 50 USD. Die Differenz von 225 USD pro Geraet bei 80-100 Millionen US-Verkaeufen jaehrlich entspricht 18 bis 22 Milliarden USD pro Jahr. Auch wenn Apple den Zoll teilweise an Kunden weitergibt, bleibt die Margen-Implikation massiv.
Das indische Oekosystem: Production-Linked Incentives und lokale Kapazitaeten

Die indische Regierung hat seit 2020 ueber das Production Linked Incentive (PLI)-Programm gezielt die Elektronikfertigung gefoerdert — mit Subventionen von rund 6 Prozent auf den Produktionswert. Das PLI-Programm hat internationale Investoren angelockt: Foxconn, Wistron (vor der Uebernahme durch Tata) und Pegatron haben ihre indischen Kapazitaeten signifikant ausgebaut.
Indien hat zudem ein zusaetzliches Halbleiter-Foerderprogramm aufgelegt. Foxconns 433-Millionen-Dollar-Chip-Joint-Venture wurde von der indischen Regierung im Mai 2025 genehmigt — ein Schritt, der Indiens Ambition signalisiert, nicht nur Montagestandort, sondern auch Chipfertigungsstandort zu werden 4.
Die Grenzen sind real: Indiens Infrastruktur — Straszen, Haefen, Stromversorgung — bleibt hinter chinesischem Niveau zurueck. Die Produktivitaet der indischen Arbeiter liegt laut internen Foxconn-Berichten rund 15 bis 20 Prozent unter chinesischen Vergleichswerten. Aber diese Differenzen schrumpfen jedes Jahr, und die Zoll-Arbitrage macht selbst ineffizientere Produktion wirtschaftlich.
Daten & Evidenz
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| iPhone-Produktion Indien 2023 | ~12 Mio. | Inc42 |
| iPhone-Produktion Indien 2024 | 36 Mio. | TechWireAsia |
| iPhone-Produktion Indien 2025 | ~55 Mio. (+53% YoY) | Gear Technology India, 2025 |
| Indiens Anteil global | ~25% (von <5% in 2023) | Gear Technology India, 2025 |
| Apple iPhone Gesamtproduktion | 220-230 Mio. jaehrlich | Apple Q4 FY2025 Earnings |
| Foxconn Anteil indische Exporte | >50% | Outlook Business |
| Tata Group Anteil indische Exporte | ~40% | Outlook Business |
| US-Zoll iPhones aus China | ~55% | Supply Chain 24/7 |
| US-Zoll iPhones aus Indien | ~10% | Supply Chain 24/7 |
| Apple-Ziel 2026-27 (global) | 32% in Indien | AppleInsider |
Haufig gestellte Fragen
Warum verlagert Apple die iPhone-Produktion nach Indien?
Die strategische Begruendung ist “China plus One” — Lieferkettendiversifizierung. Die strukturelle Begruendung ist die Zoll-Differenz: iPhones aus China tragen 55 Prozent Importzoll, iPhones aus Indien nur 10 Prozent. Die Differenz macht die Verlagerung wirtschaftlich zwingend.
Wer sind die wichtigsten Apple-Zulieferer in Indien?
Foxconn ist der groesste Auftragsfertiger — die Bangalore-Anlage ist auf dem Weg, die zweitgroesste Foxconn-Fabrik weltweit zu werden. Tata Group hat durch die Uebernahme von Wistron India und Pegatron Chennai eine starke Position aufgebaut und traegt rund 40 Prozent der indischen iPhone-Exporte.
Ist Indien wirklich eine Alternative zu China?
Teilweise. Indiens Arbeitsproduktivitaet liegt nach internen Berichten 15-20 Prozent unter chinesischem Niveau, und die Infrastruktur bleibt schwaecher. Aber die Zoll-Differenz und Indiens PLI-Foerderprogramm machen die Verlagerung wirtschaftlich attraktiv — trotz der Effizienznachteile.
Kernaussagen
- Apple produziert 2025 rund 55 Millionen iPhones in Indien — 25 Prozent der globalen Ausbringung, von weniger als 5 Prozent in 2023.
- Foxconns Bangalore-Werk wird zur zweitgroessten Foxconn-Fabrik weltweit — nach Zhengzhou in China.
- Treiber ist die Zoll-Differenz: 55 Prozent auf China-iPhones vs. 10 Prozent auf Indien-iPhones.
- Tim Cooks Ziel: Mehrheit der US-iPhones aus Indien bis Ende 2026.
Quellen
-
Gear Technology India, „Apple Ramps Up Manufacturing in India: Foxconn to Double iPhone Production to 25-30 Million Units in 2025″, 2025. https://geartechnologyindia.com/apple-ramps-up-manufacturing-in-india-foxconn-to-double-iphone-production-to-25-30-million-units-in-2025/ ↩↩↩↩
-
AppleInsider, „Foxconn plans to double iPhone production in India by the end of 2025″, Maerz 2025. https://appleinsider.com/articles/25/03/31/foxconn-plans-to-double-iphone-production-in-india-by-the-end-of-2025 ↩
-
Outlook Business, „Apple Exports $10bn of iPhones from India in H1 FY26″, 2025. https://www.outlookbusiness.com/amp/story/technology/apple-exports-10bn-of-iphones-from-india-in-h1-fy26-as-local-production-ramps-up ↩
-
CNBC, „India approves Apple-supplier Foxconn’s $433 million chip joint venture”, Mai 2025. https://www.cnbc.com/2025/05/15/india-approves-apple-supplier-foxconns-433-million-chip-joint-venture.html ↩
-
Supply Chain 24/7, „Apple Expands India Manufacturing Despite Trump Pushback”, 2025. https://www.supplychain247.com/article/apple-foxconn-iphone-factory-chennai-india ↩




